Schon als kleines Kind habe ich es geliebt zu schreiben. Es war schon immer mein Traum mal ein Buch zu schreiben, ein Buch über mein Leben.
Nun habe ich bereits ein Buch geschrieben und veröffentlicht, mit einem grossen Verlag. Nur nicht über mein Leben. Einen Ratgeber, in der Branche in der ich arbeite und dort auch, sagen wir semi-erfolgreich bin. Erfolgreich bin ich schon, verdiene damit mein Geld. Ich bin sehr gut in dem was ich tue. Ich bin generell sehr gut in dem was ich tue. Das war schon immer so, zumindest wurde mir beigebracht, dass es sehr wichtig ist, gut zu sein, in dem was man tut. Ich wurde für dieses Buch von meinem Verlag angeworben, als Expertin. Ich schrieb es sehr gerne. Allerdings war es eher wie das Schreiben einer Master-Arbeit, ein sachliches Buch, durchstrukturiert. Zwar konnte ich dort meine eigenen Erfahrungen und Sichtweisen teilen, aber das kreative Schreiben ist für mich ein völlig anderes Erlebnis.
Beim kreativen Schreiben verfolge ich kein Ziel. Und das ist für mich das, was mich beim kreativen Schreiben so glücklich macht. Ich verfolge nämlich immer ein Ziel, egal bei welcher Aktivität. Eine Frau der leistungsorientierten Gesellschaft.
In meiner Kindheit drehte sich alles nur um Leistungen und Ergebnisse. Für gute Leistung wurde ich belohnt, für schlechte gab es Prügel. Für eine hochsensible, emptahitsche, ja sogar hellfühlige Frau wie mich, die sich schon als Kind sehr tief philosophische Fragen über das Leben stellte, eine grosse emotionale Last.
Der Vorteil ist, ich habe gelernt in allem erfolgreich zu sein, stets nach mehr zu streben, immer Neues lernen, niemals aufgeben.
Eine Zeit lang habe ich diese Eigenschaft an mir verabscheut. Vor allem, als mein spirituelles Erwachen (bzw. wohl eher ein spirituelles Erinnern) begann, kurz nachdem ich meine wundervolle Tochter zur Welt brachte. Ich begriff, dass wir alle in unserer Kindheit darauf programmiert werden stets mehr zu leisten und der Wert einer Person in unserer Gesellschaft an seinem Erfolg und seinen Titeln gemessen wird.
Aus dieser Perspektive betrachtet werde ich als ein wertvoller Mensch betrachtet. Eine Frau, zu der andere Frauen hinaufsehen, ein Vorbild.
Ich habe studiert und in einer sehr beliebten Branche gearbeitet, Prominente aus der ganzen Welt kennengelernt, stand auf allen High-Society Events auf der Gästeliste, führte ein Jet-Set Leben, war ein typisches „It-Girl“. Ich stieg die Karriereleiter in Lichtgeschwindigkeit auf, arbeitete 60 Stunde pro Woche und in meiner Firma nannte man mich den „Rohdiamanten.“ Ich war unglaublich ambitioniert und nichts schien mir je unerreichbar. Ich datete Fussbalspieler, Unternehmer, Aktionäre. Ich trug Designer Klamotten und fuhr teure Autos, überwiegend finanziert durch den jeweiligen Mann an meiner Seite. Aber auch mein eigenes Geld investierte ich ausschliesslich in Konsum.
Ich war glücklich. Zumindest war es mein Ego. Denn mein Körper sagte was anderes. Ich hatte viele körperliche Symptome, die durch Stress und inneren Druck verursacht wurden. Aber ich ignorierte diese so weit wie möglich. Ausserdem war ich jung, in meinen 20-ern, wo der Körper noch einiges aushält. Zusätzlich betäubte ich diesen regelmässig mit Alkohol, Zigaretten, Marihuana. Ich schlief nur wenig, lieber investierte ich meine Zeit in Arbeit, Partys und Reisen.
Eines Tages lernte ich einen Mann im Ausland kennen, schmiss meine Karriere für ihn hin und zog zu ihm ans Meer. Ich begann seine Firma zu managen und bereute dies recht schnell, denn obwohl mein leben nun aus Partys auf Luxusjachten bestand, war ich beruflich und finanziell von ihm abhängig. Und ich bekam nicht annähernd so viel Anerkennung für meine Arbeit, wie bei meinem Job in Deutschland.
Der Alkoholkonsum stieg auf eine fast tägliche Dosis an, ebenso der Marihuana Konsum. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich es trotz allem geschafft habe ein „normales“ Leben zu führen, Geschäftsführerin zu sein und einen klaren Kopf zu bewahren.
Doch auch dieser Lebensstil sollte sich ändern, als ich unerwartet schwanger wurde. Meine Seele hatte einen anderen Weg für diese Inkarnation vorgesehen, zumindest für meinen aktuellen Lebensabschnitt und sicher auch für meine Zukunft.
Seit der Schwangerschaft trank ich keinen Alkohol mehr, hörte auf zu rauchen, ging auf keine Partys mehr, arbeitet kaum noch. Ich liebte es und vermisste gleichzeitig mein Leben. Bis irgendwann der Tag kam, an dem mir mein damaliger Partner einen Film zeigte, der mein spirituelles Erwachen anstossen sollte. Von diesem einen Tag an wurde alles anders! Und auf dieser spirituellen Reise befinde ich mich noch immer.
Eine Identitätskrise folgte der anderen. Wir wanderten gemeinsam mit unserer Tochter aus, fernab von der Konsumwelt, auf einer kleinen Insel, die einst reiner Dschungel war. Und hier beginnt meine eigentliche Geschichte.
Im letzten Jahr begann ich Tagebuch zu schreiben und ich konnte nicht mehr aufhören. Das Schrieben wurde zu meinem Anker. Der Ort, an dem ich vollkommen ich selbst sein konnte. Ohne jegliche Masken, ohne Richtlinien, ohne Ziel. Ein Ort ohne Raum und Zeit.
Nun denke ich ist es an der Zeit, diese Zeilen, meine Seelenzeilen, mit der Welt zu teilen. Es kann auch sein, dass niemand jemals diese Zeilen lesen wird.
Auch das ist ok. Ich möchte wie gesagt auf keinen Fall ein Ziel verfolgen.
Aber da das Schreiben meine Leidenschaft ist, unsere Leidenschaft oftmals unsere Berufung ist, meine Berufung schon immer daran lag andere Menschen mitzunehmen und anzuheben, warum nicht. Vielleicht wird es niemand lesen. Vielleicht wird es irgendwann meine wundervolle Tochter lesen und meine innere Welt dadurch besser verstehen, so wie ich stets versuche die innere Welt meiner Mutter besser zu verstehen, die sie vor mir verborgen hält.
Vielleicht wird aber durch irgendein Wunder irgendeine andere Frau, eine Seele, auf diesen Blog stossen und sich gesehen fühlen. Sich inspiriert fühlen. Und dann soll dies so sein.
Ich bleibe bewusst anonym. Mittlerweile habe ich meine Branche gewechselt, doch wer sich mit meiner Branche beschäftigt, der kennt mich wohl. Mein Name ist nicht unbekannt.
Ich möchte anonym bleiben, weil ich ehrlich schreiben will. Alles, was mich bewegt. All die Gedanken und Geschehnisse, die innerlich von Scham und anderen Gefühlen überdeckt werden, sodass ich sicher nicht alles so roh teilen würde, wenn mein Name unter diesem Text stehen würde.
Schon als kleines Mädchen habe ich es geliebt, mir einen fiktiven Namen auszudenken. Manchmal haben meine Freundin und ich uns ganze Identitäten ausgedacht, die wir „gelebt“ haben, wenn wir neue Männer kennengelernt haben. Einfach so zum Spass. Es machte mir schon immer Spass, in andere Rollen zu schlüpfen. Nichts anderes machen wir Seelen hier in all unseren Inkarnationen auf der Welt. Wir schlüpfen in einen neuen Körper, in eine neue Rolle, einen Avatar, eine neue Identität. Und so habe ich mir auch für diesen Blog einen Namen für mich ausgedacht.
Tatsächlich hat dieser Name in meiner persönlichen Geschichte der inneren Heilung eine tiefe Bedeutung, die ich im Laufe meiner Geschichte sicher irgendwann mal teilen werde.
Ich beginne ausgrechnet jetzt öffentlich zu schreiben, weil ich gerade an einem absoluten Tiefpunkt stehe in meinem Leben. Kaum jemand weiss das. Nach aussen hin bin ich weiterhin die erfolgreiche Frau. Doch bin ich gerade pleite. Single-Mom und absolut pleite. Mit meinem Business geht es gerade steil bergab.
Ausserdem – und jetzt platzt eine Bombe, für jede Leserin, falls es je welche geben wird – hatte ich gerade eine Affäre mit einem Mann meiner Freundin. Schuld und Schamgefühle überschwemmen mich täglich. Niemals hätte ich je gedacht, dass ich dazu im Stande gewesen wäre. Ich, als Feministin, Verfechterin des Patriarchats, die Freundschaften zwischen Frauen an oberste Stelle setzte.
Aber auch darüber werde ich schreiben. Denn nichts passiert durch Zufall, alles kommt stets so wie es kommen soll und ich möchte im Schreiben erkennen, wozu das alles passieren musste. Einiges davon ist mir mittlerweile klar, seitdem ich diese sehr kurze und gleichzeitig sehr intensive Affäre verlassen habe.
Wenn man das so liest, könnte man denken, ich sei eine oberflächliche Göre, die nur an sich denkt. Aber so ist es nicht, das weiss ich. Das weiss ich sehr tief. Denn ich setze mich schon seit langer Zeit mit vollem Herzen dafür ein diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Aber ich bin eben auch nur eine Seele in menschlicher Inkarnation und darf gerade mehr denn je zuvor lernen, dass Fehler menschlich sind und ein Fehler dich nicht gleich zum Bösen macht. Doch das ist alles gar nicht so einfach…
Für heute beende ich das Schreiben und bringe meine wundervolle Tochter nun ins Bett.
Gute Nacht.
Eywa.

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