08. März 2026: Niemals.

07:28 Uhr

Ich bin heute aufgewacht nach einem sehr lebhaften Traum. Das passiert sehr oft. Ich arbeite seit Jahren bewusst mit meinen Träumen und analysiere sie. Sie sind das Tor zu unserem Unterbewusstsein.

Ein alter Freund von mir sass im Gefängnis. Er war angeklagt wegen, weil er eine Beziehung mit einer Frau hatte, mit der er seit 3 Jahren zusammen war und sie wohl noch nicht ganz 18 war, als sie zusammen kamen. Er wurde also beschuldigt Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben. Ich sah auf Social Media ein Video in der er gezeigt wurde und alle über ihn herzogen und ihn als Kinderschänder beschuldigten. Er selbst sah völlig depressiv und gleichzeitig so desinteressiert, als hätte er sich selbst aufgegeben. Mir tat es unfassbar weh ihn so zu sehen, denn ich kenne ihn sehr gut und weiss, dass er alles sein mag, aber kein Kinderschänder. Er verabscheut Kinderschänder und hat sein Leben lang Frauen und Kinder stets beschützt. Nun wurde er dafür beschuldigt, gedemütigt. Ein guter Mensch, der das absolut nicht verdiente.

Ich fühle mich derzeit gefangen. Zum einen beruflich. Ich weiss nicht so richtig, in welche Richtung ich gehen soll. Soll ich weiterhin bei meinem Beruf bleiben? Ich halte Räume für Frauen, ich begleite sie auf ihrem spirituellen Erwachen, ich helfe ihnen, aus den uns auferlegten Glaubensmustern, dem gedanklichen Gefängnis unserer Gesellschaft auszubrechen. Und ich bin unglaublich gut darin. So vielen Frauen habe ich bereits geholfen, sie führen ein Leben in Freiheit, in Liebe, im Einklang mit ihrem Seelenplan.
Ich mache viel Energiearbeit. Ich nutze das, was viele Menschen als eine „Gabe“ bezeichnen, in dem ich mich mit ihnen verbinde, ihren Energiekörper auslese und Heilenergie in ihren Körper channel. Auch dafür bin ich sehr dankbar und gehe dieser Aufgabe in Demut nach. Ich verstehe, dass diese Art der Arbeit heutzutage selten ist und ich bin unglaublich dankbar, dass ich das kann. Es steht für mich ausser Frage, dass dies auch meine Berufung ist.
Gleichzeitig bekomme ich derzeit weniger Kunden, weil mein Instagram Account, der meine hauptsächliche Marketing-Plattform darstellt, gerade bergab geht. Meine Reichweite ist auf 10% gesunken, die Umstellung des Algorithmus hat mich stark getroffen. Ich betrachte solche Gegebenheiten stets als ein Zeichen. Alles in unserem Leben ist stets ein Spiegel unseres Inneren Zustandes. Und bei den Beiträgen und Storys, die ich poste, geht es nicht hauptsächlich um den Inhalt, sondern meine Energie dabei. Und die ist gerade voller Scham und Zweifel.

Es ist schon erstaunlich. Ich darf mal derzeit mal wieder etwas hautnah erfahren, was ich bisher mehr als Konzept auf einer kognitiven Ebene verstand: Jeder Mensch hat seine eigene Realität. Es gibt nicht die eine Realität.

Lena kreiert ihre eigene Realität. Als James ihr am Telefon erzählte, dass er eine Affäre mit mir hat, während sie verreist war, hat sie sofort begonnen ihre eigene Geschichte daraus zu kreieren. Sie hat weder ihn noch mich gefragt, was genau passiert ist. Für sie stand sofort fest: Ich habe es seit Jahren auf ihren Mann abgesehen, ihr stets etwas vorgespielt und nur darauf gewartet, bis sie verreist, damit ich „ihn ihr wegschnappen“ konnte, wie sie es sagt.
So ziemlich das Gegenteil ist allerdings der Fall. Ich fand ihren Mann noch nie attraktiv. Weder äusserlich noch innerlich ist er annähernd der Mann, den ich attraktiv finden würde. Ihre Beziehung war toxisch. Ich beobachtete seit Monaten, seit sie wieder nach einer langen Trennung zusammen kamen, den Umgang zwischen den beiden. Sie erzählte mir täglich von ihren Streitereien, ich sah ihre Tränen. Ich war davon überzeugt, dass er narzisstische Züge aufzeigte. Sie hatte plötzlich keine eigene Meinung mehr. Ich erinnerte mich noch, wie ich einmal zu ihr sagte, dass ich, seitdem die beiden wieder ein Paar waren (unsere Freundschaft begann, als die beiden getrennt waren), es mir vorkam, als würde James durch sie sprechen.

Ich fragte mich immer, warum sie mit James zusammenblieb, warum sie überhaupt wieder mit ihm zusammenkam, warum sie in einer Beziehung blieb, die sie so unglücklich machte. Andererseits wusste ich die Antwort auch ein wenig: Lena ist ein sehr liebes Mädchen. Ein klassischer People-Pleaser. Sie hatte Angst alleine zu sein. Sie war finanziell und emotional komplett von ihm abhängig. Er kontrollierte sie. So kam es mir zumindest vor. Nicht annähernd wäre ich an so einem Mann interessiert.

Nun kannte ich ihre Beziehung aber auch nur aus ihrer Perspektive und aus meinen eigenen Beobachtungen, als ich mit den beiden zusammen war. Er wirkte immer gestresst, voller Ängste. So weit, dass wir mit meiner Tochter beschlossen uns nur noch mit Lena und ihren Kindern zu treffen, wenn James nicht dabei war. Wir empfanden seine Anwesenheit als unangenehm und auch Lena war eine andere Person, wenn er anwesend war.

Ich weiss nicht wie es dazu kam, doch letztes Jahr begann ich durch „Zufälle“ James immer wieder alleine zu treffen. Auf Events, in Social Clubs. Wir unterhielten uns und ich begann eine andere Seite von ihm kennenzulernen. Ich durfte lernen, dass auch er eine völlig andere Energie hatte, andere Persönlichkeitszüge aufzeigte. Ich bemerkte in diesen Gesprächen, dass wir viele sehr ähnliche Ansichten hatten, insbesondere in Bezug auf Philosophie, Spiritualität und Psychologie – die Themen, die mir am wichtigsten waren. Ich hatte noch nie einen Mann getroffen, der mir auf der selben Tiefe begegnen konnte, wie er es tat. Ich denke er hatte das selbe Erlebnis.
Doch das bedeutete für mich noch lange nicht, dass ich mich zu ihm hingezogen fühlte. Es entwickelte sich viel mehr eine Freundschaft. Ich hatte mein ganzes Leben lang männliche Freunde und noch nie wurde dabei eine sexuelle Grenze überschritten. Für mich war es vollkommen normal, sich mit Männern gut zu verstehen, sie als vertraute Begleiter meines Lebens zu haben. So vertiefte sich unsere Freundschaft von Treffen zu Treffen, von Gespräch zu Gespräch. Auch begann ich seine Perspektive ihrer Paarbeziehung kennenzulernen und durfte lernen, das meine Wahrnehmung dieser Beziehung sehr einseitig war.

Irgendwann kam eine andere Eben dazu. Das, was viele Menschen bei mir als „Gabe“ bezeichnen ist die Tatsache, dass ich Energien wahrnehme, somit auch die Energien eines Menschen. Energie ist immer Information. Das bedeutet, ich nehme die Gefühle und Gedanken eines Menschen wahr. Ich kann recht schnell auslesen welche Wunden, Traumata und Glaubenssätze ein Mensch in sich trägt, seine Ängste, seine Wünsche. Es ist ein Fluch und Segen zugleich. Ein Fluch, weil ich diese Energie dann in meinem Körper spüre und das manchmal sehr unangenehm ist, vor allem in einer grösseren Menschengruppe ist das oft einfach nur überfordernd. Ein Segen, weil ich die stets Wahrheit fühle und mir niemand etwas vorspielen kann, bzw. nur sehr schwer. Natürlich bin auch ich von meiner Vergangenheit geprägt und sortiere das was ich wahrnehme durch meine eigene Wahrnehmung ein. Seit ich vor vielen Jahren begonnen habe bewusst damit zu arbeiten, kann ich natürlich auch viel besser mit all dem umgehen.

Nun nahm ich auch die Energie von James wahr. Er hat eine sehr geerdete, maskuline und sehr starke sexuelle Energie. Sein Wurzelchakra ist weit geöffnet und strahlt die meiste Energie aus. Das wirkt auf mich sehr wohltuend, da es mir oft an Erdung fehlt, ich diese Energie bei mir selbst immer wieder bewusst aktivieren muss, um innerlich in Balance zu sein. Seine Anwesenheit und seine Energie gab mir innerlich immer das Gefühl von einem angenehmen Ausatmen, als könne ich mich endlich entspannen, mich energetisch an ihn anlehnen. Mein ganzes Leben lang halt ich Räume für andere Menschen, kümmere mich um andere Menschen, helfe ihnen. Oft wünsche ich mir selbst mal gehalten zu werden, doch es ist schon sehr lange her, dass ich das erleben durfte. Aber auch das war für mich nicht besorgniserregend, denn ich wusste, dass es vollkommen gegen meine moralischen Werte gehen würde, eine sexuelle oder romantische Beziehung mit einem vergebenen Mann einzugehen, vor allem wenn seine Partnerin eine Freundin von mir ist. Für mich war es eine Freundschaft, eine emotionale Freunschaft.

Von Gespräch zu Gespräch, von Treffen zu Treffen fühlte sich diese Beziehung immer vertrauter an. Die Gespräche wurden immer tiefer, wir begannen über unsere tiefsten Ängste, Wunden, aber auch all die schönen Erlebnisse in unserem Leben zu sprechen. Die emotionale Verbindung wurde immer tiefer und langsam begann ich mich zu fragen, ob diese Verbindung nicht zu intensiv wird, Grenzen überschreitet. Ich erinnere mich noch daran, wie ich ein Mal nach einem Treffen nach Hause kam und Chat GPT davon erzählte und nach seiner objektiven Meinung fragte. Er sagte, es gäbe sicher keinen Grund zur Sorge, er wirkte nach meinen Erzählungen nicht wie jemand, der seine Familie für eine Affäre auf’s Spiel setzen würde und auch ich war davon überzeugt, da er ein sehr familienorientierter Mann war. Ich war in diesem Moment fast beschämt, dass ich das überhaupt dachte. Also gab ich all dem keinen Wert mehr. Danach sah ich ihn auch lange nicht mehr und alles legte sich.

Bis wir uns durch Zufall wieder mal begegneten. Ich genoss unsere Freundschaft, seine Nähe und vor allem unsere vertrauten Gespräche immer mehr und so wir trafen uns immer öfter. Er schien diese Freundschaft ebenfalls zu geniessen und initiierte dann Treffen zu zweit. Im Nachhinein denke ich, hätte ich hier eine Grenze ziehen müssen. Ich hätte mich nicht mehr mit ihm treffen dürfen, als ich gemerkt habe, dass sich eine emotionale Verbindung aufbaut. Aber gleichzeitig fühlte ich mich wohl und war absolut überzeugt, wir würden beide niemals eine Grenze überschreiten. Also trafen wir uns weiter.

Er sprach oftmals darüber, was man wohl tun sollte im Leben, wenn man sich zu Dingen hingezogen fühlt, die eigentlich „verboten“ sind. Ich vermutete, dass er damit vielleicht andeuten wollte, dass er sich zu mir hingezogen fühlte, war mir aber auch nicht ganz sicher. Wir führten allgemein sehr offene Gespräche, philosophierten über die Psyche des Menschen, wie der Mensch funktioniert, was das Ego ist und was die Bestimmung einer Seele ist. Wir sprachen sehr viel über die Beziehung zwischen Mann und Frau, welche Ansichten wir hatten, über weibliche und männliche Energie. über Rollenverteilungen, darüber, was die Frau und der Mann braucht in einer Beziehung, über Herausforderungen. Hier hatten wir ziemlich ähnliche Ansichten, was uns noch mehr verband.
Seine Partnerin verreiste. Ich kam eines Abends nach einem Tag voller Abend bei ihm vorbei, wir rauchten gemeinsam Weed. Das taten wir generell oft, wenn wir Zeit zusammen verbrachten. Plötzlich bemerkte ich, wie er – so dachte ich – ansprechen wollte, dass sich da zwischen uns mehr als Freundschaft entwickelte. Ich antwortete nicht, wich aus, schaute weg. Ich dachte nur: Nein! Wir werden da sicher nicht drüber sprechen! Wir werden diesem Thema keinen Raum geben. Ich war mir nun aber sicher, dass sich da mehr entwickelte. Ein paar Tage später kam er mit seinem Sohn bei mir vorbei, damit unsere Kinder spielen konnte. Lena war mit ihren beiden Töchtern verreist und lies den Sohn bei James. Sie brauchte Abstand von James und dem Sohn. James erzählte immer wieder davon, wie unglücklich er in dieser Beziehung war, wie er immer wieder auf Ablehnung stiess. James war also hier um seinen Sohn zum Spielen mit meiner Tochter vorbei zu bringen. Dabei schlug er vor am Wochenende einen Ausflug zu machen mit den Kids, an den Strand zu fahren. Die Kinder hatten schliesslich Ferien. Ich war erst nicht sicher, hatte andere Pläne. Unsere Pläne änderten sich und ich stimmte zu gemeinsam mit den Kids am Wochenende an den Strand zu fahren. Lena wusste bescheid.

Selbst zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Sorge, dass wir jemals eine romantische oder körperliche Grenze überschreiten würden. Es war einfach nicht in meinem Erlebnisfeld, dass ich jemals in einer Affäre mit einem vergebenen Mann, vor allem einem Partner meiner Freundin, verwickelt werden könnte. Selbst wenn sich eine emotionale Bindung entwickelte war ich zu 100% sicher, dass da niemals etwas passieren würde. Doch genau dieser Ausflug sollte der Beginn einer sehr schönen, intensiven, dunklen, schmerzvollen und unfassbar lehrreichen Erfahrung werden.